Krankenversicherung: Arbeitgeber fordern Praxisgebühren pro Arztbesuch

Kunden der gesetzlichen Krankenversicherung sollen künftig fünf Euro pro Arztbesuch zahlen, statt einer vierteljährlichen Praxisgebühr von zehn Euro, fordert der Arbeitgeberverband. Die Einnahmen sollen die steigenden Kosten des Gesundheitssystems abfedern.

„Die Praxisgebühr sollte für jeden Arztbesuch erhoben werden und könnte dafür im Gegenzug auf fünf Euro sinken“, sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Samstag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Diese Gebühr könne bereits die Krankenkassen um über eine Milliarde Euro entlasten.

Derzeit beträgt in der gesetzlichen Krankenversicherung die Praxisgebühr zehn Euro pro Quartal, egal ob das Einkommen des Versicherten oberhalb oder unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Kunden der Krankenkassen müssen seit Jahren mit zusätzlichen Beiträgen rechnen, die die Private Krankenversicherung auch PKV genannt, generell nicht vorsieht.

Durch die zusätzliche Praxisgebühr erhoffen sich die Arbeitgeber, dass Patienten weniger häufig den Arzt aufsuchen. Der Deutsche geht bis zu 18-mal pro Jahr zum Arzt, sooft wie ein keinem anderen Land der Eurozone, ermittelte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), egal ob er über die gesetzliche oder die private Krankenversicherung versichert ist.

Doch ob sich durch einen zusätzlichen Obolus die Kassen- oder auch Privatpatienten besser lenken lassen, darüber streiten die Experten. Kritiker der Gebühr weisen darauf hin, das die Praxisgebühr die Zahl der Arztbesuche nicht senken konnte. Im Gegenteil: Vor Einführung der Praxisgebühr lag der Schnitt bei 16,4 Arztbesuchen im Jahr. Thomas Drabinski, Gesundheitsökonom vom Institut für Mikrodaten-Analyse, schlug deshalb eine Gebühr für jeden Arztkontakt vor, die ebenfalls die private Krankenversicherung außen vor lässt.

Neben der Kopfpauschale sehen die Arbeitgeber jedoch noch weitere Einsparmöglichkeiten in der ärztlichen Versorgung: 2011 könnten Nullrunden im ambulanten und stationären Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung die Ausgaben um insgesamt vier Milliarden senken.
Andreas Köhler von der kassenärztlichen Bundesvereinigung lehnt Nullrunden ab, da sie auch zu Mehrausgaben führen können. Der Vorstandsvorsitzende weist darauf hin, dass finanzielle Kürzungen in diesem Bereich auch dazuführten, dass die medizinische Versorgung sich verschlechtere. Die Bundesregierung müsse hingegen den Ärztemangel bekämpfen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte einen stärkeren Wettbewerb im Gesundheitssystem. Im Gesundheitswesen ließen sich jedes Jahr etwa fünf bis zehn Milliarden Euro einsparen, wenn „die Effizienzreserven gehoben“ würden, sagte Achim Dercks, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK. Gerade im intensiveren Wettbewerb lägen noch Einsparpotenziale.
Die Bundesregierung scheint jedoch die Einführung eine neuen Praxisgebühr nicht zu erwägen. Der Gesundheitsexperte der CSU, Johannes Singhammer, hat einen Bericht der„Bild“-Zeitung dementiert, der darüber berichtete, Singhammer hätte in der Koalition vorgeschlagen, für die gesetzliche Krankenversicherung eine Praxisgebühr pro Arztbesuch einzuführen, um das Gesundheitssystem zu entlasten.

Doch, eine Entwarnung für die gesetzlich Versicherten gibt es noch nicht: Politiker rechnen bereits mit Zusatzbeiträgen. Von ihnen würde nur die private Krankenversicherung verschont bleiben.

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